Ischia Ponte und seine Schätze: die Kirche des Spirito Santo
Eines der wunderbaren Bauwerke von Ischia Ponte ist die Kirche des Spirito Santo. Sie erhebt sich im Zentum des Borgo gegenüber der Kathedrale, hat eine besondere Geschichte und ist oft Sitz von Hochzeiten und Konzerten
Die Kirchen in Ischia Ponte
Vor vielen Jahren, als ich noch ein Kind war, hatte ich den Eindruck, dass die beiden wichtigsten Kirchen in Ischia Ponte irgendwie im Konstrast waren. In meinen Augen war die Kathedrale die Kirche der Reichen und die des Spirito Santo die Kirche der Armen. Bei der Sonntagmesse um 12 Uhr, die in der Kathedrale gefeiert wurde, sah ich vor allem schön gekleidete Leute. Dagegen war die 11-Uhr Messe in der Kirche des Spirito Santo von normal gekleideten Leuten besucht. Beim Lesen von historischen Quellen scheint mein kindlicher Eindruck bestätigt zu werden.
Die bezaubernde Geschichte der Kirche des Spirito Santo
Die Kirche des Heiligen Geistes
In den antiken Zeiten war Ischia Ponte überwiegend von Fischern und Seeleuten bewohnt und deshalb war es als borgo di mare (Küstenviertel) bekannt. Das kleine Dorf entwickelte sich in einer Gegend, die gegenüber der Aragonerburg lag und die heute la corteglia (der Hof) genannt wird. Wenn Sie zum Piazzale Aragonese kommen und rechts in Richtung Meer schauen, können Sie diese Gegend leicht erkennen. Und wenn Sie noch wenige Schritte machen und am Piazzale delle Alghe ankommen, steht sie vor Ihnen. Der Blick mit den Felsen der Hl. Anna und dem Turm des Guevara im Hintergrund ist wirklich eindrucksvoll.
Wahrscheinlich reichten die Häuser entlang der Küste bis zur Ortschaft Cartaromana, wo die Bewohner des Borgo ihr Trinkwasser aus dem Ninfario, dem “Nymphenbrunnen”, holten.
Ab der Hälfte des 16. Jahrhunderts dehnte sich der Borgo stark aus. Viele adlige Familien, die sich nach dem Vulkanausbruch im 14. Jhdt. auf der Aragonerburg niedergelassen hatten, kamen nun hinunter in den Borgo.
Dank auch einiger politischer Anstösse gab es ausserdem eine grosse Entwicklung von Seehandel und den damit verbundenen -aktivitäten. So begann sich auch der Komplex der Häuser Richtung Kathedrale zu erweitern, in einer Gegend, die voller Maulbeerbäume (ital. “gelso”) war. Von daher kam der Name Borgo di Celsa.
Die S. Maria della Scala geweihte Kathedrale war Teil eines grösseren Komplexes, der auch das Kloster der Augustiner beinhaltete. Ihm gegenüber stand eine Kapelle, die der Hl. Sofia geweiht war. Das war eine kleine, private Kapelle, die die adlige Familie Cossa im Mittelalter für die Armen erbaut hatte. Sowohl die Kathedrale, als auch die Kapelle standen direkt an der Grenze des Ortes, die sich durch ein Verteidigungstor auszeichnete, das das Hammertor genannt wurde.
Die Kathedrale und die Kapelle wurden zum Kernpunkt eines starken Konfliktes, der sowohl religiöse als auch gesellschaftliche Bedeutung haben sollte.
Der Konflikt zwischen Augustinern und Seeleuten
Die Kirche der S. Maria della Scala, die den Augustinern gehörte, hatte grosses Prestige, zählte sehr viele Gläubige und feierte mehrere Gottesdienste im Laufe des Tages. Allerdings war sie keine Pfarrkirche und das stellte ein grosses Problem für die Bewohner des Borgo dar, denn, um bestimmte Sakramente zu erhalten, mussten sie sich in die Hügel von Campagnano begeben und die weit entfernte Kirche des Hl. Vito erreichen. Vor allem aber wurde die Kirche S. Maria della Scala als Symbol der religiösen sowie auch der gesellschaftlichen Macht der Augustiner betrachtet.
Ende des 16. Jhdt. als sich die Seeleute und Fischer stärker und in grösserer Anzahl fühlten, überzeugten sie sich, es sei der Moment gekommen, ihre eigene Stimme hören zu lassen.
Sie gründeten eine Laien-Bruderschaft, um den Bewohnern spirituelle Assistenz zu geben und um eine Kirche zu bauen, die komplett unabhängig von den Mönchen sein sollte. Als die Seeleute die inzwischen sehr alte und entweihte Kapelle der Hl. Sofia von der Familie Cossa zum Geschenk erhielten, liessen sie sich diese Gelegenheit nicht entgehen. Der Anfang der Arbeiten des Wiederaufbaus entfachte eine grosse Unmut unter den Augustinern, da sie darin einen drohenden Verlust ihrer Vorherrschaft fürchteten.
Die Augustiner fanden keine Ruhe mehr und kämpften darum, dass der Haupteingang nicht Richtung Kathedrale gebaut würde. Die Stellungnahme der Kurie war erschütternd: Sie drohte jedem mit Exkommunikation, der es wagte sollte, die Arbeiten abzuschliessen. Die Seeleute allerdings liessen sich nicht abschrecken und griffen auf eine geniale Lösung zu: Sie beauftragten eine Gruppe von Türken, Sklaven in Neapel, die Arbeit zu vollenden. Die Türken als Muslime hatten keine Angst vor einer katholischen Exkommunikation. Sehr bald wurde die Kirche für den Kult geöffnet und dem Heiligen Geist geweiht.
Noch ein Detail schloss sich an die Kontroverse an: der entstehende Glockenturm sollte direkt an das Eingangstor des Ortes grenzen. Die Augustiner – nicht ohne Grund – führten an, dass damit die durch das Hammertor gewährte Verteidigung beeinträchtigt würde, denn er stellte einen Durchgang nach draussen vor.
Gerade der Glockenturm stellt heute das einzige Zeugnis des ursprunglichen Baus der Hl-Geist-Kirche dar. Das ständige Wachstum der Seeleute im Borgo erforderte eine Erneuerung und Erweiterung der Kirche und die Arbeiten wurden zwischen 1636 und 1676 durchgeführt.
Aktuell bewahrt die Hl.-Geist-Kirche den Kult des Schutzpatrons, des Hl. GiovanGiuseppe della Croce und ist ein Grundstein der Geschichte des Ortes. Wenn Sie dort eintreten, werden Sie ein erhabenes Gefühl empfinden.
Eine Hochzeit
Marco und Claudia von Österreich nach Ischia
8.8.2018 haben Marco und Claudia aus Österreich in der Kirche des Spirito Santo in Ischia Ponte, der Kirche der Seeleute, geheiratet. Ich war dabei als Dolmetscherin, ein aufregender Tag für mich.
“Wir sind heute alle Ischitaner” sagte Marco am Ende der Zeremonie, als er Claudia eben geheiratet hatte.
Braut und Bräutigam kamen aus Österreich . Sie waren sehr glücklich und verliebt, wie ich gleich spürte, als ich sie im Standesamt der Gemeinde Ischia kennenlernte. Sie waren auf Ischia schon im Juni zur Vorbereitung aller Unterlagen, um ihre Ehe zu schliessen. Sie hatten Ischia für ihre Hochzeit gewählt, “weil ich mit Ischia stark verbunden bin”, sagte Marco, “weil Ischia uns gefällt”, fügte Claudia hinzu.
Ich war dabei als Dolmetscherin, wie es mir oft wegen meiner professioneller Tätigkeit geschieht. Aber diesmal gab es etwas ganz Neues für mich. Marco und Claudia wollten nicht nur standesamtlich sondern auch kirchlich heiraten. Und sie hatten dazu die Kirche des Spirito Santo in Ischia Ponte gewählt. Das Datum war bedeutungsvoll: 8.8. 2018.
Erst im letzten Moment erfuhr ich, dass ich auch in der Kirche als Dolmetscherin dabei sein sollte. Panik! Solche Dienstleistungen kann man nicht improvisieren, aber alles ist gut gegangen.
Eines beeindruckte mich besonders: Die Teilnahme und die Andacht aller anwesenden Freunde und Verwandten waren wirklich ergreifend. Das Vaterunser wurde auf deutsch gesungen. Beim Klang der Wörter und der Musik fühlte ich mich wirklich bewegt.
Die Chiesa dello Spirto Santo in Ischia Ponte, die Kirche der Seeleute, schien der richtige Rahmen für einen so glücklichen Tag.
Inzwischen sind Marco und Claudia Eltern geworden. Ich hoffe, die ganze Familie bald auf Ischia begrüssen zu dürfen.
Historische Quellen
Ilia Delizia, L’antico borgo marinaro di Ischia Ponte in una pianta inedita del 1616 In: Napoli Nobilissima – gennaio-aprile 1980
Ilia Delizia, Ischia e l’identità negata, Napoli 1987
Agostino Di Lustro, I marinai di Celsa e la loro Chiesa dello Spirito Santo ad Ischia
Giuseppe D’Ascia, Storia dell’isola d’Ischia, Napoli 1867


Laura Mattera Iacono. Übersetzerin de>it, copy, blogger








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